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Bootstour und Sightseeing am Inle Lake

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Die kleinen Häuser am Inle Lake, die schwimmenden Gärten, die einbeinigen Fischer und die Einheimischen auf ihren idyllischen Holzbooten. Vom ersten Moment an sind wir vom Inle Lake begeistert. Aber der zweite Augenschein trügt unser Bild…

Um als Tourist überhaupt am Inle See sein zu dürfen, musst du bei der Einfahrt in die „Inle Lake Zone“ eine Eintrittsgebühr zahlen. Diese beträgt 15’000 Kyat pro Person. Dafür darfst du dich dann unbegrenzt lange am Inle See aufhalten.

 

Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten am Inle Lake

Heute unternehmen wir, wie die meisten Touristen die an den Inle See reisen: eine Bootsfahrt. Denn das Leben der Menschen am Inle See spielt sich vorwiegend am und auf dem Wasser ab. Daher ist eine Fahrt mit dem Fischerboot zweifellos die beste Möglichkeit, einen Einblick zu bekommen.

 

Die Bootstour auf dem Inle See

Wenn du eine Sache am Inle Lake unbedingt machen solltest, dann definitiv die Bootstour. Die Touren dauern in der Regel zwischen 6 und 7 Stunden und umfassen bis zu 12 verschiedene Stationen entlang des Sees. Wenn du ein privates Boot mit Fahrer mietest, kannst du auch selbst entscheiden, welche Stopps du machen oder vielleicht auslassen möchtest.

Natürlich war an unserem geplanten Tag ein Tag des Festivals am Inle Lake und zugleich Vollmond. Das heisst in Myanmar, die Preise steigen…

Zum Glück haben wir unseren Bootsfahrer schon 2 Tage vorher angefragt und gebucht. Denn so haben wir einen super günstigen Preis für unsere private Bootstour 25’000 Kyat (ca. 17 Schweizer Franken) bezahlen müssen. Beziehungsweise der Preis war derselbe von einem normalen Arbeitstag. Wir sind von 9:30 bis 18:30 Uhr mit dem Boot unterwegs auf dem Wasser. Er hat uns alles toll erklärt und hat auch Decken, Rettungswesten und Sonnenschirme für uns an Bord.

Morgens hat er uns vom Hotel abgeholt und sind zu Fuss zum Steg marschiert. Er spricht sehr gut Englisch und kennt sich am Inle See aus, wie in seiner eigenen Westentasche. Thomas darf sogar das Steuer selbst auf dem offenen Wasser übernehmen. Wenn du eine Tour mit Zaw Myo Thant buchen möchtest, kannst du ihn unter folgender Nummer per bei WhatsApp kontaktieren: +95 942 834 5538.

Wir selber haben den Fahrer übrigens ebenfalls empfohlen bekommen 🙂

Wenn du jedoch Geld sparen möchtest oder wenn du alleine unterwegs bist, kannst du dir auch ein Boot mit anderen Reisenden teilen. Pro Boot können maximal 6 Personen mitfahren. Für eine geteilte Bootstour zahlst du dann 6’000 Kyat (ca. 3,48 Euro) pro Person. Eine geteilte Bootstour kannst du überall am Fluss bei den vielen Bootsfahrern direkt buchen.

Wir selbst haben bei unserer Bootfahrt folgende Highlights sehen können.

 

Einbeinruderer auf dem Inle Lake

Wenn du auf einem der Nebenarme des Sees in Nyaung Shwe startest, erreichst du die Einbeinruderer nach ca. 20 bis 25 Minuten. Sie befinden sich quasi gleich hinter der „Einfahrt“ zum grossen See. Unser Bootsfahrer sagte uns, dass noch ca. 50 Prozent der Einbeinruderer tatsächlich als Fischer auf dem See arbeiten. Die andere Hälfte ist nur noch aus touristischen Zwecken vor Ort und posiert dort für Fotos gegen Bezahlung. Daher erhältst du zu Beginn schnell den Eindruck, als würden die Einbeinruderer nur noch Schausteller sein.

 

Wir haben uns auf dieses Szenario schon eingestellt, daher war es keine grosse Überraschung für uns. Schade ist es natürlich trotzdem. Aber auf diese Enttäuschung folgt bald die Freude, denn wir können trotz ihres Festivals richtige Einbeinruderer beim Fischen zuschauen. Als wir dann weiter über den See fahren, erleben wir die echten Einbeinruderer. Sie stehen vorne auf ihren Fischerbooten und bewegen ein Paddel mit ihrem Bein. Wenn wir es richtig verstanden haben, hat dies vor allem den Grund, dass sie im Bein mehr Kraft als in den Armen haben. Zudem können sie so auch im Stehen vorwärts rudern und die vorbei schwimmenden Fische besser sehen.

Weiter ging es quer über den Inle See und vorbei an unzähligen Stelzenhäusern zu den schwimmenden Gärten („Floating Gardens“).

 

Schwimmende Dörfer und Gärten

Nach den Einbeinruderen steht als nächster Stop in der Regel ein schwimmendes Dorf im Ablauf. Hiervon gibt es sehr viele auf dem Inle See, sodass vermutlich jedes Boot ein anderes Dorf für sich auswählt. Wir sind jedenfalls das einzige Touristenboot, das diese Siedlung besucht hat. Die schwimmenden Dörfer bestehen aus sogenannten Stelzenhäusern. Die Wohnhäuser und alle Gebäude des Dorfes stehen also auf dicken hölzernen Pfählen über dem Wasser.

Jedes Haus verfügt über sein eigenes Boot, da die Fortbewegung anders kaum möglich ist. Nur einige Brücken verbinden die einzelnen Häuser teilweise miteinander. Jedes schwimmende Dorf verfügt zudem über eine eigene Pagode und über eine Schule. Die grösseren Dörfer bieten sogar auch eine Highschool. Darüber hinaus gibt es natürlich auch kleine Lebensmittelläden und gegebenenfalls Restaurants in den Dörfern. Zudem gibt es in den schwimmenden Dörfern auch Strom. Wenn du darauf achtest, werden dir die Stromleitungen sicher auffallen, die am Inle See entlanglaufen. Unser Bootsfahrer hat uns erzählt, dass eine Lehrperson im Monat umgerechnet 100 Schweizer Franken erhält. Also nicht gerade viel, wenn wir es mit seinem Job vergleichen.

 

Um die Dorfsiedlungen herum findest du dann auch schwimmende Gärten. Die Bewohner haben das Seegras, das die Gärten zusammenhält, mit Stäben am Boden befestigt. So sorgen sie dafür, dass die Gärten an einem Ort bleiben und nicht wegschwimmen. Daher siehst du auf dem See zahlreiche Stäbe aus den Gärten hinausgucken.

 

Zum Tomatenanbau ist es wichtig, dass die Tomatenpflanzen regelmässig bewässert werden. Dies ist ja allen klar 😉 Allerdings am besten nur von unten an den Wurzeln. Somit bietet der See hierfür gute Voraussetzungen. Der Tomatenanbau gelingt dann jedoch nur in der Trockenzeit von Oktober bis April. Wenn es in den Sommermonaten viel regnet, schadet dies den Tomatenpflanzen hingegen. Die einheimischen Landwirte schützen die Tomatenpflanzen zudem durch Seegras vor der Sonneneinstrahlung.

 

Die kleinen Holz-Pavillons, die du während deiner Bootsfahrt bestimmt sehen wirst, dienen den Mitarbeitern in der Hochsaison in der Pause einen Schattenplatz. Mit den Tomaten des Inle Sees werden dann ca. 80 Prozent des Tomaten Bedarfs in Myanmar abgedeckt.

Auf solche Seegras Inseln kannst du stehen. Du musst aber schauen, dass du in der Nähe vom Bambus stehst, ansonsten geht das Seegras unter. Wir durften es ausprobieren.

 

Das Strassennetz aus den unzähligen Wasserstrassen ist so dermassen faszinierend, dass unser Zeigefinger gar nicht anders konnte, als permanent am Kameraauslöser oder der Videokamera zu kleben. Wir hatten ja damit gerechnet, dass um den See herum einiges los sein würde. Allerdings haben wir niemals gedacht, dass ganze Dörfer auf dem See errichtet werden und es ein solches harmonisches Bild abgeben kann.

 

Und während wir so im Boot sitzen und die Landschaft an uns vorbeiziehen sehen, wird uns klar, weshalb der Inle See zu den absoluten Myanmar-Highlights zählt.

 

Manufakturen und Handwerksbetriebe

Im Laufe der Bootsfahrt machen wir an einigen Manufakturen Halt. In den Stelzenhäusern der Einheimischen befinden sich nämlich unzählige Handwerksbetriebe, die mittlerweile zum Teil an Touristen angepasst sind:

  • Silberschmiede
  • Lotus-, Baumwoll- und Seidenwebereien
  • Zigarettendreher

Das Schema ist meist dasselbe: Zunächst erhältst du einen Einblick in die Herstellung und erfährst, was hinter den fertigen Produkten steckt. Hierzu gibt es eigentlich immer eine liebenswürdige junge Frau, die dich auf Englisch in der Fabrik herumführt. Anschliessend kannst du die Produkte im dazugehörigen Shop kaufen. Die Preise sind jedoch in der Regel recht hoch. Wir haben uns einen Longyi angeschaut und mussten feststellen, dass die Preise doch doppelt so hoch wenn nicht noch höher sind.

 

Wir hatten anfangs Sorge, dass wir gedrängt werden, etwas zu kaufen. Doch das war glücklicherweise überhaupt nicht der Fall. Die Frauen waren überall sehr freundlich und unaufdringlich. Sie kleben dir jedoch an den Schuhsohlen.

 

Da es hier letztlich natürlich auch ums Verkaufen geht, lassen viele Besucher die Kunsthersteller lieber aus. Sofern du eine private Bootstour machst, ist dies auch kein Problem. Wir selber haben uns drei Manufakturen angesehen: Die Silberschmiede, die Weberei der Longyi’s und die Cheroot-Manufaktur, in denen typische burmesische Zigaretten hergestellt werden. Die Herstellungsprozesse sind super interessant vor allem auch die Herstellung der Longyis.

 

Silberschmiede

Für die Silberschmiede werden zunächst Steine aus der Nähe des Inle Lakes gewonnen. Wenn du mit dem Flugzeug zum Inle See reist, wirst du auf dem Weg vom Heho Airport möglicherweise einen Bereich der Steinabbau-Gebiete sehen. Aus den Steinen entsteht dann in mehreren Herstellungsprozessen Silberschmuck. Diesen kannst du vor Ort natürlich auch kaufen.

 

Lotus- Baumwoll- und Seidenwebereien

Bei den Webereien ist vor allem die Lotusseide interessant. Denn diese wird tatsächlich nur in Myanmar hergestellt. Die Lotuspflanzen wachsen direkt hinter der Produktionsstätte auf dem Inle See.

 

Hierzu fahren die Weberinnen früh morgens auf den See hinaus und ernten die Stängel der Lotuspflanzen. Wichtig hierbei ist, dass sie mit einem guten Messer  abgetrennt und dann schnell verarbeitet werden. Denn die Stiele müssen noch feucht sein, um die Lotusseide daraus gewinnen zu können.

 

Wenn die Stängel aufgebrochen werden, können hier kleine Fäden hinausgezogen werden. In mühevoller Handarbeit entstehen so nach und nach Fäden, die später zu Garn aufgerollt werden.

Pro Tag kann eine Weberin auf diese Weise ca. 2 Meter Lotusseide gewinnen. In handbetriebenen Webstühlen wird das Garn zu Schals, Tüchern, Longyi’s oder Kleidungen verarbeitet. Neben der Lotusseide stellen die Webereien auch Produkte aus Baumwolle und Seide her. Im Vergleich ist die Lotusseide jedoch viel feiner und auch deutlich teurer.

 

Zigaretten Manufaktur

Tabak spielt bei der Herstellung eine eher untergeordnete Rolle, Hauptbestandteile sind je nach Geschmack Tamarinde, Zuckerrohr oder getrocknete Bananen. Verfeinert wird es dann mit Anis, Honig, braunem Zucker, Rum und / oder Reisessig. Eingerollt in ein Blatt des Cheroot-Baumes und mit einem entsprechend zugeschnittenen Filter aus mit Zeitungspapier zusammengepressten Maisblättern versehen, voilà! Die Zigarren werden mit einfachsten Hilfsmitteln im Akkord hergestellt, eine Frau schafft bis zu 1’200 Zigarren am Tag.

Besuch der Phaung Daw Oo Pagode

Die Phaung Daw Oo Pagode ist eine mittelgrosse Pagode am Rand des Inle Sees. Hier kommen neben einigen Touristen vor allem auch viele Einheimische und Mönche her. Gerade wegen des Festivals ist die Pagode zur Vollmondnacht von Einheimischen gut besucht.

Du läufst zunächst eine Treppe hinauf und findest dann in der Mitte der Pagode eine Art Altar. Hierauf stehen fünf kleinere Buddha Figuren aus dem 12. Jahrhundert.

 

Bevor du die Pagode betreten darfst, musst du die Schuhe ausziehen. Dafür gibt es beim Eingang extra Plastikkisten für deine Schuhe. Aber Achtung, wenn du der Frau die da sitzt und nichts tut nichts bezahlen möchtest, dann lege deine Schuhe nicht in diese Kisten. Schade für das positive Bild, welches wir von den Burmesen erhalten haben, ist diese Frau. Denn wir haben ihr kein Geld gegeben und Sie hat uns deshalb irgendetwas nachgerufen. Hoffentlich hatte diese Frau nur einen schlechten Tag 😉

Hinter der Phaung Daw Oo Pagode herrscht reges Markttreiben. Bei diesen Souvenirständen verbringen wir jedoch nur wenige Minuten, da es viel zu touristisch ist.

 

Besichtigung des Dorfs Indein („Shwe Inn Thein-Pagode“)

Deutlich sehenswerter ist hingegen die Shwe Inn Dein Pagode. Sie ist über einen Arm des Inle Sees erreichbar, der landschaftlich besonders schön ist. Ein Besuch des antiken Pagodenfelds von Indein wird bei den meisten Boottrips als optional angeboten. Da die Fahrt dorthin noch einmal etwa 30 Minuten dauert, lassen viele Touristen Indein links liegen. Wir können euch allerdings nur wärmstens empfehlen, den kleinen Umweg in Kauf zu nehmen. Indein hat uns nämlich ziemlich begeistert.

 

Hier findest du insgesamt 1’054 Stupas/Payas. Einige der Stupas sind mittlerweile restauriert und erstrahlen schon im neuen Glanz. Andere sind noch ursprünglich und wirken dadurch umso mystischer. Zusammen ergibt es ein wunderschön harmonisches Fotomotiv.

 

Du kannst durch die knapp über 1’000 Stupas hindurch laufen. Einige von ihnen beherbergen auch Buddha Figuren. Alle Stupas sind individuell und schön anzuschauen. Oben an der Spitze der Pagode findest du dann viele goldene Stupas, die in der Nachmittagssonne schön glänzen.

 

Nga Phe Kyaung Kloster

Das Nga Phe Kyaung Kloster war früher einmal als das Kloster der springenden Katzen bekannt. Denn die dort lebenden Mönche nutzen ihre freie Zeit dazu, um den Katzen kleine Kunststücke beizubringen. Heute findest du noch immer Katzen im Kloster. Somit ist es nach wie vor einen kurzen Besuch wert.

 

Das Kloster besteht komplett aus Holz und steht auf Pfählen im Inle See. In der Mitte des Klosters gibt es einige Buddha Figuren. Mönche haben wir bei unserem Besuch aber leider nur vereinzelte angetroffen.

 

Das Kloster „Shwe Yan Pyay“ in Nyaung Shwe

Auch ausserhalb des Sees kannst du in Nyaung Shwe, wo du wahrscheinlich dein Hotel hast, einige Sehenswürdigkeiten anschauen. Hierzu zählt z.B. das Shwe Yan Pyay Kloster. Dieses Kloster ist für seine ovalen Fenster bekannt, die sich im hölzernen Hauptgebäude des Klosters befinden.

 

Als wir am Nachmittag dort sind, haben die Mönche gerade ihren Unterricht. Sie hatten alle Bücher vor sich und lesen daraus laut vor. Daher herrschte eine ganz schöne Geräuschkulisse im Kloster 🙂

 

Sonnenuntergang auf dem Inle Lake

 

Zum Abschluss unserer Bootstour haben wir den Sonnenuntergang auf dem offenen See ganz alleine angeschaut. Da wir alleine auf dem See sind, können wir den Sonnenuntergang in entspannter Atmosphäre geniessen und ein wenig von der Kultur von Myanmar von unserem Bootsfahrer kennen lernen, bevor unser Bootsfahrer uns wieder zurück nach Nyaung Shwe bringt.

 

Unser Fazit

Der Inle Lake und die Landschaft sind unglaublich schön und es ist interessant wie die Burmesen ihr Leben am und auf dem See organisieren.

All die Touristenattraktionen wie die falschen Fischer oder die Langhalsfrauen sind schade und völlig unnötig, denn der See und die Einheimischen haben genug zu bieten. Wir fühlen uns mit solchen Angeboten nicht wohl, doch es ist gut möglich alles auf eigene Faust zu entdecken und dabei das authentische Myanmar zu sehen. Wir sind unglaublich gespannt wie sich diese Region entwickeln wird.

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